Ein vertrauliches Dokument von OpenAI offenbart das Ausmaß des Paradoxons: Die in ChatGPT angezeigten Links erzeugen nur geringen Traffic, selbst für die am besten sichtbaren Seiten. Die Zahlen sind eindeutig und stellen die tatsächliche Auswirkung der generativen KI auf den Webtraffic der Publisher infrage.
Das Wichtigste:
- ChatGPT zeigt massenhaft Links an, erzeugt aber sehr wenige Klicks: die durchschnittliche Klickrate liegt unter 1 %, selbst für die leistungsstärksten Seiten.
- Die sichtbarsten Bereiche (Antwortkörper) erzielen Hunderttausende von Impressionen, generieren jedoch die niedrigsten CTR, während sekundäre Bereiche (Seitenleiste, Zitate) mit 6 bis 10 % CTR besser konvertieren.
- OpenAI erfasst bereits genau die Metriken pro URL und Anzeigezone, was auf die bevorstehende Einführung einer "ChatGPT Search Console" für Herausgeber hindeutet.
Eine lehrreiche Datei
Weniger als hundert Medien weltweit haben Zugang zu diesem vertraulichen Dokument, das OpenAI seinen Verlagspartnern geteilt hat. Die Datei, auf LinkedIn von Vincent Terrasi veröffentlichtlegt detailliert die Metriken dar, die der KI-Riese zur Überwachung der Anzeige und Interaktionen mit den Links der Publisher verfolgt.
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}Diese Daten stellen potenziell die Grundlage einer zukünftigen „ChatGPT Search Console“ein Werkzeug dar, das Publishern ermöglichen würde, ihre Sichtbarkeit in der generativen KI zu verfolgen, ähnlich dem, was Google Search Console für die klassische Suche tut.
Beunruhigende Zahlen
Für eine der leistungsstärksten Seiten der Datei zeigen die Statistiken eine schwindelerregende Diskrepanz zwischen Sichtbarkeit und tatsächlichem Traffic. Bei 610.775 Gesamtimpressionen von Links wurden nur 4.238 Klicks verzeichnet, was einer Gesamt-Klickrate von 0,69 % entspricht.
Der beste Klickrate (CTR) Einzelwert erreicht für eine Seite kaum 1,68 %. Die meisten anderen Seiten liegen zwischen 0,01 % und 0,1 %, wenn sie nicht sogar bei 0 % sind. Ein besonders eindrückliches Beispiel zeigt 518.624 Einblendungen bei nur 4.670 Klicks.
Diese Leistungen unterscheiden sich stark von dem, was man traditionell in den Google-Suchergebnissen beobachtet, wo die Top-Positionen deutlich höhere Klickraten erzielen.
Eine genaue Kartierung der Anzeigezonen
Das OpenAI-Dokument beschreibt detailliert jeden Ort, an dem ChatGPT einen Link anzeigen kann, sowie die zugehörigen Interaktionen.
Die Datei verfolgt folgende Daten :
- Zeitliche Informationen (Berichtszeitraum, Mindest-/Höchstdaten)
- Details zu Herausgeber und URL (Name des Herausgebers, Basis-URL, Host, Rang der URL)
- Impressionen und Klicks für jede Zone: Antwortkörper (response), Seitenleiste (sidebar), Zitate, Suchergebnisse, TL;DR-Zusammenfassung und Schnellnavigation
- Berechnung der CTR für jeden Anzeigebereich
- Gesamtsummen der Impressionen und Klicks
Das Paradoxon der Sichtbarkeit ohne Traffic
Die Leistungsanalyse nach Bereich offenbart ein kontraintuitives Phänomen: Die Plätze, die die meisten Impressionen erzeugen, konvertieren am wenigsten.
Der Hauptteil der Antwort konzentriert Hunderttausende von Einblendungen, zeigt jedoch winzige CTRs. Umgekehrt erhalten die Seitenleiste und die Zitate deutlich weniger Impressionen, konvertieren aber mit 6 % bis 10 %. Die Suchergebnisse verzeichnen praktisch keine Impressionen und null Klicks.
Diese Aufteilung legt nahe, dass ChatGPT-Nutzer konsultieren selten die Quellen, wobei die generierte Antwort als ausreichend angesehen wird. Nur diejenigen, die aktiv vertiefen oder überprüfen wollen, klicken auf die sekundären Links.
Ein Paradigmenwechsel für Verleger
Diese Situation erinnert an die Zeit der Position Null bei Google, in der die direkt in den Suchergebnissen angezeigte Antwort den Traffic zu den Quellseiten kannibalisierte. Aber mit ChatGPT nimmt das Phänomen ein beispielloses Ausmaß an.
Für ein Medium, einen Content-Ersteller oder eine Website ist das ein beispielloser Wandel: 600.000 Einblendungen garantieren keineswegs signifikanten Traffic. Sichtbarkeit ist völlig vom tatsächlichen Traffic entkoppelt.
Konversationsagenten werden zu neuen Herausgebern, die Inhalte neu ordnen und umformulieren, ohne Nutzer unbedingt auf die originalen Quellen zu verweisen. Das Vertrauen in das KI-Modell steht nun über der Notwendigkeit, die referenzierten Seiten zu konsultieren.
Hin zu einer ChatGPT Search Console
Die Struktur der Datei zeigt einen wesentlichen Unterschied zu traditionellen SEO-Tools. Im Gegensatz zu Keyword-Tracking-Plattformen ist das Datenschema von OpenAI nicht an Suchanfragen orientiert, sondern URL-basiert.
Dieser Monatsbericht deckt die 1000 leistungsstärksten URLs jedes Partnerverlegers ab. Diese Granularität deutet darauf hin, dass OpenAI die Grundlage dafür schafft, Herausgebern strukturierten Zugang zu diesen Daten zu bieten, wahrscheinlich parallel zur Einführung von Werbung in ChatGPT.
Konkrete Auswirkungen auf den Website-Traffic
Die Daten bestätigen, was andere Studien bereits vermuteten: Der durch KI generierte Traffic bleibt ein winziger Anteil am gesamten Website-Traffic.. Und im Gegensatz zur traditionellen SEO scheint sich dieser Traffic nicht wie klassische organische Suche zu verhalten.
Anders ausgedrückt: Zu hoffen, dass die Sichtbarkeit in ChatGPT den Rückgang des Google-Traffics ausgleicht, ist angesichts dieser Zahlen eine riskante Strategie. Publisher müssen ihre Herangehensweise überdenken und dürfen nicht alles auf die Darstellung in generativen KI-Antworten setzen.
Der Aufstieg konversationeller Agenten verändert grundlegend, wie Inhalte im Web konsumiert und geteilt werden. Traditionelle Sichtbarkeitsmetriken spiegeln nicht mehr zwangsläufig die tatsächlichen Auswirkungen auf Traffic und Publikum wider.
Der Artikel „ChatGPT zeigt Millionen von Links an, aber niemand klickt darauf“ wurde auf der Website veröffentlicht Abondance.